Monatsrückblick Juli 2025: Enspurt & decrescendo
- Julia Reckendrees
- 5. Aug.
- 6 Min. Lesezeit
Der Juli hatte es in sich. Er war Endspurt und decrescende zugleich. DIe letzten Sommer habe ich immer bis zum Schluss Vollgas gearbeitet. Dieses Jahr noch bis Mitte Juli, und in der 2. Monatshälfte habe ich dann sehr viel weniger gemacht, um entspannt in die Sommerpause zu starten.
Die letzten Konzerte vor der Sommerpause
Die 1. Jahreshälfte war Konzert-intensiv. Gerade im Mai, Juni und Juli habe ich gefühlt ausschließlich Probenwochenenden vorbereitet, durchgeführt und Konzerte musikalisch geleitet. Kurz bevor ich im August meine Sommerpause starte, habe ich im Juli auch nochmal Vollgas gegeben.
Am heißesten Tag des Jahres haben wir mit dem Jazzchor der Uni Köln unser Semesterabschlusskonzert in der Aula der Uni gegeben. Bei 38 Grad standen wir barfuß auf der Bühne (eine Premiere für mich!) und haben 2 Stunden lang unser Bestes gegeben. Ganz besonders war dieses Mal, dass wir Gäste mit auf der Bühne hatten. Lange schon haben meine Studis davon geträumt, ein Konzert mit Band zu machen, und so haben wir meinen ehemaligen Professor Stephan Görg mit seiner Band eingeladen, unser Konzert zu bereichern. Neben Solo-Beiträgen der Band gab es natürlich auch in paar Nummern, die wir zusammen gespielt haben. Wow, hat das Laune gemacht!! Und - es war das 1. Konzert das wir ganz professionell technisch haben begleiten lassen. Der Tonmeister meines Vertrauens, Julius Gass, führender Kopf der a-cappella Szene, hat für richtig guten Sound gesorgt. Gerade die tiefen Bässe haben ungemein von der Mikrofonierung profitiert. Pop&Jazz a cappella ist in den Arrangements häufig sehr instrumental gedacht, und dmzmdmzm im tiefen Bass trägt akustisch leider nur bedingt in einem Raum, der 1200 Menschen im Publikum fasst. Am 02. Juli waren alle Sänger mikrofoniert, die Bässe hatten sogar Einzel-Handmikros und konnten sich richtig entspannen und auf Präzision statt Lautstärke und Tragfähigkeit konzentrieren. Das Chor-Sound war dadurch insgesamt total homogen, unglaublich direkt, hat sich auch neben der Band klanglich gut durchgesetzt und an Strahlkraft gewonnen. Ein riesiger Gewinn in der Uni! Ein paar Tage später dann eine Premiere: zum ersten Mal haben wir ein 2. Semesterabschlusskonzert gegeben, dieses Mal außerhalb der Uni, in der Rochuskirche in Köln Bickendorf/Ehrenfeld.
Wir wurden bestens betreut, und trotz Skepsis auf Seiten der Kirche, war der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Atmosphäre war unglaublich schön, trotz großem Raum sehr intim, familiär, vertraut, wohlwollend und warm. Wir wurden so herzlich aufgenommen vom Publikum und konnten unser Semesterprogramm noch einmal abfeuern. Wiederholungsbedarf! - denn: zwei Konzerte verteilen den "Druck" gleichmäßig auf die Abende, wir haben zwei Chancen. Und durch die Entspannung, die dadurch entsteht, wird die Qualität automatisch besser. Win Win!
Ich hab das deutlich beim Dirigieren gemerkt, hab mehr Vertrauen von Seiten des Chores gespürt, konnte loslassen, ganz aktiv gestalten und habe mich während des Konzertes einfach des Lebens gefreut. Hach...
Ein Mini-Meisterkurs & 1. Live-Treffen
Ein gutes Jahr gibt es jetzt schon mein Mentoring Programm "Vocal Visionary - The Art of Teaching Voice". Das ist ein Gruppenprogramm für alle, die Gesang unterrichten oder einen Chor leiten, und dabei viel Wert auf Stimmbildung in der Chor- und Ensemblearbeit legen.
Jeden Monat begleite ich die Pädagog:innen dabei, zu bessern Gesangslehrern und Chorleitern zu werden. Wir haben monatliche wechselnde Themen und regelmäßige Q&A-Sessions, in denen sie alle Fragen zu ihren aktuellen Schüler:innen und Sänger:innen stellen können, aber auch zu ihrem eigenen Singen und Üben. Es gab eine große Sehnsucht in der Gruppe, sich endlich auch live und in Farbe zu sehen. Die Teilnehmer:innen wollten sich gegenseitig hören, supporten, und Themen wild durcheinander diskutieren. Ende Juli war es dann endlich soweit, und wir haben unser 1. LIVE-Treffen gehabt. Ich habe zu mir nach Bonn eingeladen, und wir haben einen ganzen Tag über Stimme, das Unterrichten und Singen gesprochen.
Wie in einem richtigen Meisterkurs haben alle Teilnehmer:innen eine Gesagsstunde bei mir bekommen. Währenddessen habe ich geklärt was ich mache, warum ich das mache, wie ich weiterarbeiten würde, welche Potenziale ich sehe, welche klangliche Vision ich habe und habe gleichzeitig alle aufkommenden Fragen der zuhörenden Teilnehmer:innen beantwortet. "Unterrichten next level" würde ich sagen, wenn man währenddessen auch noch Fachfragen von der Seite bekommt und diese beantwortet... Es hat so so SO unglaublich viel Freude gemacht, dass ich im Herbst 2025 oder Frühjahr 2026 erneut einen Meisterkurs für Sänger:innen, Gesangspädagog:innen und Chorleiter:innen anbieten werde. Dann allerdings nicht als Eintagsfliege, sondern für 3 intensive Tage vor Ort, an denen wir richtig in die Tiefe gehen können, und eine Entwicklung über die Tage noch besser hör- und spürbar wird. I'm so excited!!
"Weniger ist mehr" - back to basics
In all der Arbeit die ich mache ist mir ein Thema im Juli immer wieder begegnet: BASICS. Auf verschiedene Arten hat sich das gezeigt, sowohl im Tun als auch im Marketing, im Sprechen darüber, was meine Arbeit ausmacht. Sowohl was das Unterrichten angeht, aber auch in der Chorarbeit - ich pflege die Basics jeden Tag! Wenn die Basics nicht stabil sind, wackelt das ganze Gerüst.
Das fängt im Kleinen bei der Einzelstimmbildung an: Vokalqualität, Luftfluss (und Widerstand), Raum und Intonation. Im Chor gehts weiter: Vokalqualität (hello again), Kontakt, Intonation, Klanggestaltung, Ensemble-Klang, Blending. Aber auch in meinen Kursen: Wenn beim Blattsingen die Basics nicht bombenfest sitzen, das Fundament nicht stabil ist, dann wackelt das ganze Gebäude oben drüber.
Wenn beim Unterrichten nicht klar ist, auf welchen Säulen die Stimmbildung aufgebaut ist, und die Säulen nicht gut gepflegt werden, die passenden Übungen dafür fehlen, oder das Ohr nicht richtig hinhört, dann gibt es keinen Fortschritt, keine Freiheit, keine Entwicklung.
Aber auch im Sprechen über meine Arbeit habe ich es gemerkt:
im Marketing hab ich häufig gedacht, ich muss tolle Formulierungen finden, für das, was ich tue. Dinge umschreiben. Bilder finden. Dabei geht es um was ganz anderes: Benennen, was ist. Die Dinge auf den Punkt bringen. Und dieses Wort BASICS läuft mir seitdem überall über den Weg. Ich kann es nicht mehr NICHT sehen. So - lets talk about Basics in Zukunft. Darüber, dass ich Menschen helfe, besser vom Blatt zu singen. Allen, die Gesang unterrichten, besser zu unterrichten.
Meinen Chorsänger:innen verhelfe, zu besseren Sänger:innen zu werden, richtig musikalisch zu sein und Musik mit dem ganzen Körper und der Seele zu erleben. Und das fängt an der Basis an!
Was im Juli 2025 sonst noch los war
das letzte Probenwochenende vor der Sommerpause war UNMUTED gewidmet. Dieser semiprofessionelle Frauenchor ist eine starke Truppe, wächst richtig schön zusammen, sowohl klanglich als auch menschlich, ist verrückt, herzlich, warm, weich. Ich liebe es, mit den Ladies zu arbeiten, und die Gruppe zu erweitern. Wir nehmen nach und nach neue Sängerinnen auf, und ich kann's kaum erwarten zu sehen, wo die Reise hingeht.
am 11. Juli habe ich einen weiteren Workshop zum Thema Jahresplanung über Zoom angeboten. Ich liebe es, mit meinen Leuten zu reflektieren, daraus Schlüsse zu ziehen, und gemeinsam Pläne für die 2. Jahreshälfte (und für 2026) zu schmieden. Der nächste Workshop findet dann wieder zum neuen Jahr statt, vielleicht als 2-teiliges Angebot?
es gibt eine grooooße und aufregende Konzertanfrage für meinen Kammerchor FUSION und ich bin total gespannt, ob das Konzert zu Stande kommt. Dieser Chor ist mein Baby, mein musikalisches Traum-Projekt und ich wünsche mir so sehr, dass so viele Menschen wie möglich diesen Chor hören! Stay tuned...
Im Juli hatte ich außerdem eine Idee für ein neues Chorprojekt, das in meinem Portfolio bislang noch fehlt und DRINGEND gebraucht wird. Ihr könnt gespannt sein (und euch schon in die Startlöcher stellen). Ein mal im Jahr plane ich ein ganz besonderes Projektwochenende. 😍
Ausblick auf den August 2025
Der ganze August ist meiner Sommerpause gewidmet. Wenn ich ganz viel Glück habe (und es einplane) schließe ich daran noch eine Kreativwoche an, um an neuen Projekten zu arbeiten und alte Projekte zu verbessern.
Ich will z.B. ein Framework entwickeln, das meine genreübergreifende Stimmbildung wirklich gut beschreibt und easy anwendbar macht, vor allem für meinen Kammerchor. Wir brauchen ein noch konkreteres gemeinsames Vokabular, auf das alle zugreifen können. (Und nein - es wird nicht CVT sein.)
Wieviele Bücher auf meinem to-be-read-Stapel liegen?! - will ich gar nicht sagen. Aber einige liegen bereit, um im Sommer gelesen zu werden, sowohl Belletristik als auch Fachliteratur. I can't wait to take some time.
Mein Partner und ich sind (immer noch) auf Wohnungssuche in Bonn. Eine große Wohnung zu finden, ist eine Herausforderung, der wir uns über den Sommer nochmal intensiver widmen werden.
Und wenn dann noch Zeit und Muße übrig ist, mein Ideenbrunnen wieder sprudelt, dann werde ich Schreiben und Visionieren und schöne Projekte, Programme, und Musik vorbereiten.
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